Schwere Verstöße und Manipulationen des Studienprotokolls: So gelang es Pfizer, die Notfallgenehmigung der FDA für Kinder zu erhalten

Von Yaffa Shir-Raz 

Die Analyse des von Pfizer bei der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA eingereichten Auswertungsberichts, auf dessen Grundlage die FDA grünes Licht für die Ausweitung der Notfallgenehmigung für die Impfung auch für Kinder im Alter von 12 bis 15 Jahren gegeben hat, und der Vergleich mit dem Studienprotokoll für Kinder zeigen besorgniserregende Ergebnisse, darunter Verstöße gegen das von Pfizer selbst erstellte Protokoll und – nicht weniger schwerwiegend – erhebliche Verstöße gegen die Gestaltung des Studienprotokolls in einer Weise, die es dem Unternehmen ermöglicht, möglichst positive Ergebnisse in Bezug auf die Sicherheit des Impfstoffs bei Kindern zu generieren und so wenig wie möglich schwerwiegende Nebenwirkungen in die der FDA vorgelegten Auswertungen aufzunehmen.

I. Verletzung der Protokollbedingungen – Wie konnten Kinder mit einer psychiatrischen Diagnose in die Studie aufgenommen werden in the study?

Laut dem von Pfizer bei der FDA eingereichten Auswertungsbericht traten bei vier der 1131 Kinder im Studienarm, die den COVID-19-Impfstoff von Pfizer-BioNTech erhielten, schwerwiegende Nebenwirkungen (SAE) auf, also Ereignisse, die mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllten: Tod, lebensbedrohlich, Hospitalisierung oder Verlängerung eines bestehenden Krankenhausaufenthalts, anhaltende Behinderung/Invalidität, angeborene Anomalie/Geburtsfehler.

Von diesen vier Kindern entwickelten drei so schwere Depressionen, dass sie kurz nach der Impfung in ein Krankenhaus eingewiesen wurden (das erste Kind sieben Tage nach der ersten Dosis, das zweite Kind nur einen Tag nach der zweiten Dosis und das dritte Kind 15 Tage nach der ersten Dosis).

Diese Ergebnisse sind äußerst besorgniserregend, denn das bedeutet, dass wahrscheinlich eines von 350-400 geimpften Kindern an einer schweren Depression leiden wird und in ein Krankenhaus eingewiesen werden müsste.

Zur Beruhigung weist Pfizer in seinem Prüfbericht darauf hin, dass bei allen drei Kindern bereits vorher Angstzustände und Depressionen diagnostiziert worden waren. Darüber hinaus erklären sie, dass alle drei tatsächlich einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) einnahmen, der innerhalb von 1-2 Monaten vor der Impfung begann.

„Eine Verschlimmerung der Suizidgedanken bei anfänglicher SSRI-Behandlung bei Jugendlichen“, so die Autoren, „ist ein anerkanntes Risiko und stellt eine schlüssige alternative Erklärung für die Verschlimmerung der Depression bei diesen BNT162b2-Empfängern dar“. Natürlich. Warum auch dem Impfstoff die Schuld geben, wenn es eine völlig vernünftige und logische alternative Erklärung für die Verschlimmerung der Depression gibt?

Warum ist diese „Erklärung“ problematisch? 

Aus zwei Gründen: 

  1. Die Behauptung, dass die SSRIs, die die Kinder erhalten haben, eine alternative Erklärung für die Verschlechterung des psychischen Zustands der Kinder sind, ist zweifelhaft. Laut wissenschaftlicher Literatur tritt eine Verschlimmerung von Suizid und psychischem Zustand gleich zu Beginn der Behandlung mit Antidepressiva auf, in der Regel in den ersten zwei Wochen und sicherlich nicht mehr als einen Monat nach Beginn der Behandlung – ab welchem Zeitpunkt gewöhnlich Verbesserungen zu sehen sind. Das Gegenteil ist der Fall: Wenn innerhalb von vier Wochen keine Besserung eintritt, wird ein Medikament in der Regel abgesetzt.
  2. Noch wichtiger ist, dass laut Studienprotokoll Teilnehmer mit einer früheren psychiatrischen Diagnose gar nicht erst in die Studie hätten aufgenommen werden dürfen (siehe Seite 41 des Protokolls). Es stellt sich heraus, dass eines der Ausschlusskriterien in der Studie lautet: „Andere medizinische oder psychiatrische Erkrankungen, einschließlich kürzlich (innerhalb des letzten Jahres) aufgetretener oder aktiver Suizidgedanken/Verhaltensweisen oder Laborbefunde, die das Risiko der Studienteilnahme erhöhen oder den Teilnehmer nach Ansicht des untersuchenden Arztes für die Studie ungeeignet machen könnten“.

Dies ist also ein eklatanter Verstoß gegen das vom Unternehmen selbst aufgestellte und von der FDA genehmigte Studienprotokoll. Dass ein solcher Verstoß vorliegt ist von enormer Tragweite: Wenn Pfizer so fahrlässig war, entgegen dem vom Unternehmen selbst aufgestellten Protokoll Probanden mit psychiatrischer Vorgeschichte in das Experiment einzubeziehen, bedeutet dies, dass dem Konzern nicht das Wohlergehen der Probanden am Herzen liegt. Wie Pfizer selbst im Protokoll vermerkt, kann ein solcher Hintergrund das Risiko der Studienteilnahme erhöhen. Und wenn der Komzern sich bei der Rekrutierung der Probanden nicht an die ethischen Grundsätze hielt, wer kann dann garantieren, dass sie nicht auch in anderen Abschnitten der Studie – zum Beispiel bei der Auswertung der Ergebnisse – die ethischen Grundsätze verletzt worden sind?

II. Selektive Gestaltung des Protokolls, die es dem Unternehmen ermöglicht, positive Ergebnisse in Bezug auf die Sicherheit des Impfstoffs zu generieren

Bei mindestens zwei Kriterien scheint das Unternehmen das Protokoll manipulativ so gestaltet zu haben, dass es möglichst positive Ergebnisse in Bezug auf die Sicherheit des Impfstoffs bei Kindern präsentieren kann:

A. Gestaltung des Protokolls in einer Weise, die die Aufnahme schwerer unerwünschter Ereignisse in einen bei der FDA eingereichten Bericht so weit wie möglich reduziert.

Im pädiatrischen Studienprotokoll (siehe Tabelle auf Seite 12) verpflichtete sich Pfizer, dass die Dauer der Nachbeobachtung von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SAEs) „von Verabreichung der ersten Dosis bis 6 Monate nach der zweiten Dosis“ betragen würde.

Eine sechsmonatige Nachbeobachtungszeit wird im Vergleich zu den üblichen Nachbeobachtungszeiten in Phase-3-Studien für Impfstoffe als sehr kurz angesehen. Nach Angaben der FDA sollte die Phase 3 bei Studien über Impfstoffe zwischen einem und vier Jahren dauern.

Aus dem Prüfbericht von Pfizer geht jedoch hervor, dass das Unternehmen nicht einmal diese relativ kurze Nachbeobachtungszeit eingehalten hat und sich sogar mit einer Nachbeobachtungszeit von nur 30 Tagen für die schweren Nebenwirkungen zufrieden gab. Diese Tatsache geht aus dem Kapitel über den Zeitpunkt der Analyse hervor (Seite 30, unter der Überschrift des Kapitels über die Nebenwirkungen): „12-15-Jährige: SAEs von Dosis 1 bis zu 30 Tagen nach Dosis 2 in der laufenden Nachbeobachtung wurden bei 0,4 % der BNT162b2-Empfänger und 0,1 % der Placebo-Empfänger gemeldet“.

Wie konnte soetwas ermöglicht werden? 

Auf Seite 114 des Studienprotokolls – in dem Kapitel, in dem es um den Zeitpunkt geht, zu dem die statistischen Analysen durchgeführt werden – hat Pfizer eine Reihe von Zeitpunkten für die Durchführung dieser Analysen festgelegt. Während der maximale Zeitraum für die Überwachung schwerwiegender unerwünschter Ereignisse in der allgemeinen Studienpopulation sechs Monate beträgt (siebter Abschnitt), wurde im fünften Abschnitt ein zusätzlicher Stichtag von nur 30 Tagen nach der zweiten Dosis festgelegt, um Daten zwischen zwei Altersgruppen zu vergleichen – einer Gruppe von 12-15-Jährigen und einer Gruppe von 16-25-Jährigen.

Mit anderen Worten, das Protokoll scheint so konzipiert zu sein, dass die der FDA vorgelegte Untersuchung nur die schwerwiegenden Nebenwirkungen umfasst, die im ersten Monat nach der Impfung aufgetreten sind.

Die Nachbeobachtung der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse wird zwar noch fünf Monate lang fortgesetzt, aber jede Nebenwirkung, die in diesen Monaten entdeckt wird, oder eine Nebenwirkung, die im ersten Monat beobachtet wurde, aber als nicht schwerwiegend eingestuft wurde und sich in den folgenden Monaten verschlimmert hat (oder bei der sich die Diagnose ändert), geht schlicht nicht in den Auswertungsbericht ein.

Die besorgniserregende Konsequenz dieser Praxis ist, dass schwerwiegende Nebenwirkungen möglicherweise nicht in dem Bericht erscheinen, auf dessen Grundlage die FDA die Notfallgenehmigung für Kinder erteilt. Eine fortgesetzte Nachbeobachtung, selbst wenn sie einige Monate oder Jahre nach Erteilung der vorläufigen Genehmigung veröffentlicht wird, hilft Kindern, die nach der Genehmigung der FDA geschädigt werden oder sterben.

B. Gestaltung des Protokolls so, dass Diagnosen über schwerwiegende Nebenwirkungen, die in Krankenhäusern gestellt werden, welche nicht zum Studienort gehören, ignoriert werden können

Im Rahmen der „Outcome Measures“ des Studienprotokolls, die auf Clinicaltrials.gov zu finden sind, hat Pfizer festgelegt, dass das von Pfizer ausgewählte Forschungsteam die unerwünschten Ereignisse als solche definieren wird: „Wie von den Mitarbeitern der Prüfstelle erhoben“.

Auf diese Weise hat das Unternehmen den von ihm ausgewählten Forschern faktisch die Befugnis gegeben, selbst zu definieren, wie die Diagnose lautet, unabhängig von der Diagnose, die in dem Krankenhaus/der Station gestellt wird, welche/s nicht als Forschungsstandort definiert ist.

Warum ist dies problematisch?

Weil eine solche Festlegung bedeutet, dass, wenn ein bestimmter Teilnehmer an schwerwiegenden Nebenwirkungen leidet und z. B. außerhalb des Krankenhauses oder der Station, welche/s als Forschungsstandort dient, behandelt wurde, die von den dort behandelnden Ärzten gestellte Diagnose faktisch irrelevant ist.

Auf diese Weise hat Pfizer seinem Team die Möglichkeit gegeben, die Diagnose zu definieren, anstatt sich von der Diagnose der behandelnden Ärzte stören zu lassen.

Abgesehen von der heftigen Kritik an Pfizer werfen die Analyse und der Vergleich auch ernste Fragen an die FDA selbst auf: 

* Wie ist es möglich, dass die FDA überhaupt ein Protokoll genehmigt hat, das solche Manipulationen zulässt?

* Warum hat die FDA dem Unternehmen erlaubt, die Datenanalyse durchzuführen und den Antrag auf die Notfallgenehmigung bei Kindern nach einer so kurzen Nachbeobachtungszeit von nur 30 Tagen zu stellen? 

* Warum war die FDA so erpicht darauf, die Notfallgenehmigung für Kinder zu erteilen? Warum wird diese Genehmigung auf der Grundlage eines Auswertungsberichts erteilt, der nicht einmal „halbgar“ ist? Schließlich gibt es keine Notfallsituation für Kinder. 

* Warum ist die FDA nicht auf diese Manipulationen und Verstöße gegen das Protokoll eingegangen, nachdem das Unternehmen seinen Bericht vorgelegt hatte? 

Yaffa Shir-Raz, PhD, ist Forscherin im Bereich Risikokommunikation und Lehrbeauftragte am Interdisziplinären Zentrum Herzliya in Israel und an der Universität Haifa.

Belege: 

1. Pfizer-BioNTech. (2021). Emergency Use Authorization (EUA) Amendment for an Unapproved Product Review Memorandum.  

2. Pfizer. (2021). A PHASE 1/2/3, PLACEBO-CONTROLLED, RANDOMIZED, OBSERVER-BLIND, DOSE-FINDING STUDY TO EVALUATE THE SAFETY, TOLERABILITY, IMMUNOGENICITY, AND EFFICACY OF SARS-COV-2 RNA VACCINE CANDIDATES AGAINST COVID-19 IN HEALTHY INDIVIDUALS

3. Pfizer. (2021). Study to Describe the Safety, Tolerability, Immunogenicity, and Efficacy of RNA Vaccine Candidates Against COVID-19 in Healthy Individuals.  

4. FDA. (2018). Step 3: Clinical Research

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